08. Juli 2022

Zu meinen philosophischen oder spirituellen Ohrwürmern – von denen ich immer mal wieder an dieser Stelle erzählen werde –, zu diesen hartnäckigen Denk- und Suchaufgaben gehört für mich die Frage, was Geist und Seele voneinander unterscheidet.

Das ist gar nicht so leicht rauszubekommen, da man oft die Meinung hört, das seien identische oder sich überlagernde, eben die nicht körperlichen Aspekte des Menschen. Die Erkenntnis über diese Frage entzieht sich einem auch oft wie ein bunter Schmetterling, der eben noch auf einer Blüte sitzt, und unvermittelt flatternd seiner Wege zieht. Nicht umsonst bedeutet im Alt-Griechischen das Wort „psyche“ auch „Schmetterling“, neben „Hauch“ und „Seele“.

Mit so einem Ohrwurm geht es mir zum Glück aber nicht so wie mit Bohnen in den Ohren. Denn gerade an Stellen, wo etwas für den Ohrwurm Verwertbares auftaucht, werde ich auch wieder hellhörig. So in einer Korrespondenz mit einem Freund vor einiger Zeit, da tauchte der Dreiklang auf: Identität, Berufung, Auftrag. Ich fragte mich, ob diese drei Begriffe nicht Aufschluss geben könnten, wie Geist, Seele und Körper zusammenspielen. Ein spontaner Vorschlag: Identität ist der Geist, Berufung die Seele und Auftrag der Körper. Warum?

Ganz ohne Spiritualität, also Geistigkeit, komme ich nicht aus bei meiner Antwort. Wenn man in der Bibel nachliest, dann findet man einen Satz des Apostels Paulus, der ein wenig rätselhaft ist: „Der Geist selbst bezeugt ⟨zusammen⟩ mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (Römer 8, 16)“. Vor aller Rationalität, die man dem Geist im Hinblick auf das Denken zuordnet, ist es offenbar eine Zugehörigkeit, wie ein Kind, das offen die Welt erkundet und Geborgenheit bei seinen Eltern findet. Der Geist bedeutet nach meiner Lesart den Ursprung des Menschen als Geschöpf Gottes und damit seine wahre Identität. Die Seele, in meiner Vorstellung der Form nach näher am Körper, ist dann die Berufung, die sich aus der Identität ergibt, immer noch mehr als die konkrete Aufgabe, die wir dann im Leben wirklich erfüllen. Die Aufgabe kann sich entwickeln, verändern, situativ variieren. Diese Wirklichkeit und Dynamik, Verwirklichung, erleben wir als Menschen in unserer körperlichen Existenz, in der wir auch unsere Persönlichkeit wahrnehmen. Ganz unbeschadet der Tatsache, dass das Körpergefühl unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Solche Gedanken ziehen auch immer andere an, ohne dass man darüber spricht. Auf Xing schrieb mir jemand spontan über Denken, Fühlen und Wollen. Auch eine Möglichkeit, diesen Dreiklang einzuordnen. Was sagt Ihr philosophischer Ohrwurm zu Identität, Berufung, Auftrag? Schreiben Sie mir dazu gern. Ich freue mich auf weitere Deutungen.

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Martin Erdmann

UX-Berater und Coach
Wenn es um Ästhetik, Resonanz und Stimmigkeit geht, fühle ich mich wohl.

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